Meist ist es nicht schwer, den Grund zu finden, warum wir die eine oder andere Nacht mehr schwitzen als normal und dadurch sogar wach werden, oft gegen Morgen. Für viele sind es sommerheiße Nächte unter einer zu warmen Zudecke oder im Winter auf Maximum gestellte Heizkörper im Schlafzimmer. Andere haben gefeiert und ein Glas Alkohol zu viel getrunken, dazu das scharfe Chili beim Mexikaner. Und nicht wenige bringen Kummer, Ärger und Ängste noch nachts in Wallungen. Übrigens regen auch zu kalte Räume die Schweißproduktion übermäßig an. Alltags- und Schlafgewohnheiten spielen also eine wichtige Rolle, wenn uns Schweißattacken den Schlaf rauben.
An Nachtschweiß im medizinischen Sinne zu leiden, bedeutet, über längere Zeit regelmäßig im Schlaf zu schwitzen, manchmal so stark, dass der Schlafanzug und häufig auch das Betttuch durchnässt sind. Manche Betroffene wachen dadurch auf, müssen sich umziehen, bisweilen sogar duschen, und das obwohl die Schlafzimmertemperatur stimmt, die Decke nicht zu warm ist und sie keinen Albtraum hatten. Durch die Schlafstörung fühlen sie sich morgens unausgeschlafen und erschöpft, schwitzen aber sonst nicht übermäßig. Nächtliche Schwitzattacken unterscheiden sich damit von anderen Störungen in der Schweißproduktion. Dazu gehören etwa Schweißausbrüche am ganzen Körper oder einzelnen Körperteilen, wie den Händen, die in bestimmten Situationen oder einfach so eintreten und nicht an eine Tageszeit gebunden sind. Mediziner sprechen dann von Hyperhidrose. Nachtschweiß wird als nächtliche Hyperhidrose bezeichnet.
Häufige und heftige nächtliche Schweißausbrüche sind ein Grund, einen Arzt aufzusuchen, vor allem, wenn sie mit Fieber, Gewichtsverlust oder anderen Beschwerden einhergehen. Oft sind die Auslöser von Nachtschweiß ohne weitere Symptome harmlos und mit veränderten Schlafgewohnheiten, Stressabbau sowie pflanzlichen Mitteln gut zu behandeln, aber nicht immer. Nicht selten sind auch hormonelle Schwankungen verantwortlich. Manche Frauen haben in der Schwangerschaft und verstärkt den Wechseljahren damit zu tun. Eine Reihe von Medikamenten gehört ebenfalls zu den möglichen Auslösern. Typisch ist Nachtschweiß bei einigen Infektionskrankheiten. Das können eine Virus-Grippe oder eine Herzinnenhautentzündung sein. Eine Tuberkulose geht unter anderem sehr häufig mit nächtlichem Schwitzen einher. Die Schweißausbrüche im Schlaf sind mitunter auch eines der ersten Warnzeichen für bestimmte Tumoren und Krebserkrankungen. Manchmal kommen neurologische Erkrankungen infrage oder Schlafstörungen wie eine Schlafapnoe.
Nach eingehender Befragung wird der Arzt je nach Verdacht notwendige Untersuchungsschritte einleiten und seinen Patienten gegebenenfalls an einen Facharzt für innere Medizin (Internisten), für Hormon- und Stoffwechselerkrankung (Endokrinologen), für Nervenerkrankungen (Neurologen) oder für Blut- und Krebserkrankungen (Hämatologen, Onkologen) überweisen.
Hauptursachen für Nachtschweiß
Die Behandlung wird immer der Grunderkrankung folgen. Es gibt allerdings auch nächtliche Schwitzattacken, für die sich keine eindeutigen Ursachen finden lassen. Die Ärzte sprechen dann von idiopathischem Nachtschweiß. Hier sind die Schweißdrüsen aus ungeklärten Gründen überaktiv. Manche Betroffene leiden dann auch tagsüber unter übermäßigem Schwitzen. Allgemeinmaßnahmen können unter anderem dazu beitragen, die nächtliche Schweißproduktion zu mildern.
Die folgenden Abschnitte (siehe Kapitelübersicht am Anfang des Textes) geben einen Überblick über normales (physiologisches) Schwitzen und die wichtigsten Ursachen für Nachtschweiß sowie Selbsthilfe-Tipps bei leichteren, nicht krankhaften Beschwerdebildern.
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de;
15.12.2009, aktualisiert am 09.05.2012
Bildnachweis: W&B/Winfried Fischer
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