sehr ansteckende, meldepflichtige Infektionskrankheit, die durch das Variolavirus verursacht wird und oft tödlich verläuft. Das Virus kann sich im Gegensatz zu vielen anderen Viren nur im Menschen vermehren, was als wesentlicher Grund für seine effektive Bekämpfung durch die 1967 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestartete Pockenschutzimpfung angesehen wird. Die letzte Pockenerkrankung trat 1977 in Somalia auf, 1980 erklärte die WHO offiziell das Variolavirus auf der Erde als ausgerottet.
Ursache: Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen-, seltener über Schmier- und Staubinfektion. Der Erkrankte scheidet die Viren schon vor dem Ausbruch des Hautausschlages aus, gesunde Personen mit ausreichendem Impfschutz können als Überträger auftreten.
Befund: 7–11 Tage nach Ansteckung kommt es zu hohem Fieber, Kopf-, Rücken- und Lendenschmerzen und Mandelentzündung (Initialstadium). Nach weiteren 6–10 Tagen treten, unter treppenförmigem Fieberabfall sich vom Kopf auf den ganzen Körper (Achseln und Leisten ausgenommen) ausbreitend, die typischen Hautveränderungen auf, die als rote Flecken beginnen und sich zu Pusteln mit trübem Inhalt entwickeln. In diesem Eruptionsstadium leidet der Betroffene erneut unter hohem Fieber und Kopfschmerzen und ist z. T. bewusstseinsgetrübt. Nach einigen Wochen fallen die Krusten ab, zurück bleiben Narben, v. a. im Gesicht. Als schwere Verlaufsform gelten die Variola haemorrhagica mit unstillbaren Blutungen (»schwarzer Tod«), die meist innerhalb kurzer Zeit tödlich verlaufen. Entzündungen von Organen, z. B. der Leber oder des Gehirns, können den Verlauf komplizieren.
Behandlung: Es gibt keine Medikamente, die nachweislich gegen das Virus wirksam sind. Im Verdachtsfall müssen Erkrankte streng isoliert werden. Die aktive Immunisierung mit Lebendimpfstoff war die letzte Impfung, für die in Deutschland Impfzwang bestand. Dieser wurde 1982 aufgehoben. Da Pockenviren als potenzielle Biowaffen angesehen werden, wurden ab 2002 in einigen Industriestaaten Impfstoff-Vorräte für eine erneute Durchimpfung der Bevölkerung angelegt.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 14.12.2011
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